Abel Barbin (* 1838 in Saint-Jean-d’Angély; † Februar 1868 in Paris)

 

Adelaide Herculine Barbin wurde 1838 in der Nähe von La Rochelle (Frankreich) geboren. Bei der Geburt kamen keine Unsicherheiten bezüglich der Geschlechtlichkeit von Babrin auf, welches ohne besondere Konsultationen als Mädchen betrachtet wurde.

Der Vater starb früh als Barbin noch kein Kind war und die Mutter wurde Erzieherin bei einer adligen Familie, weswegen Barbin in einem Nonnenkloster erzogen wurde. Als Barbin in die Pubertät kam setzten starke, körperliche Schmerzen ein, zudem war Barbin bezüglich der eigenen Sexualität verunsichert, was mit ihren*seinen sexuellen Gefühlen für Frauen einherging.

Nach einer Ausbildung als Lehrerin arbeitete Barbin an einer Mädchenschule, verliebte sich dort in Sara, die Tochter des Leiters der Schule, und begann mit ihr eine sexuelle Beziehung. Obwohl immer darauf bedacht, den eigenen Körper — ungewöhnlich stark behaart, ohne ausgeprägte Brüste und Hüften — zu verbergen, sah sich Barbin nach anhaltenden genitalen Schmerzen dazu gezwungen, einen Arzt zu konsultieren. Nachdem dieser an Barbins Körper männliche Geschlechtsmerkmale feststellte, wendete sich Barbin an den Bischof von La Rochelle, der weitere medizinische Untersuchungen einleitete. Als Ergebnis dieser Untersuchungen stellte der betreffende Arzt fest, dass Barbin Hermaphrodit sei mit überwiegend männlichen Geschlechtsmerkmalen.

Im Juni 1860 wurden daraufhin Barbins Geschlecht und Vorname juristisch geändert und entsprechend korrigierende Einträge in Barbins Geburtsurkunde vorgenommen. Somit wurde Abel Barbin mit 22 Jahren zum Mann erklärt, aus Adelaide wurde Abel. Abel Barbin war daraufhin gezwungen, Sara und die Stellung als Lehrerin aufzugeben.

Nach einem Umzug nach Paris beging Abel Barbin dort nach erfolgloser Arbeitssuche Selbstmord. Neben den autobiographischen Lebenserinnerungen, die Abel Barbin hinterließ, ergänzen Zeitungsartikel, ärztliche Gutachten und offizielle Dokumente die persönlichen Schilderungen.


Nachwirkung

Abel Barbin wurde einer der bekanntesten Hermaphroditen des 19. Jahrhunderts. Dr. Régnier, der den Selbstmord untersuchen musste, vermutete zunächst, der junge Mann habe an Syphilis gelitten. Als er seine Genitalien untersuchen wollte, erlebte er eine Überraschung. Régnier übergab die Aufschriebe Barbins Auguste Ambroise Tardieu; der Leichnam wurde von E. Goujon an der medizinischen Fakultät der Universität untersucht. 1869 erschien Goujons Étude d’un cas d’hermaphrodisme bisexuel imparfait chez l’homme, der Barbin zum Gegenstand hatte. 1874 publizierte Tardieu einen Teil der Lebenserinnerungen Barbins in seinem Werk Question médico-légale de l’identité dans ses rapports avec les vices de conformation des organes sexuels.

Im späten 19. Jahrhundert tauchte Barbins Schicksal in mehreren literarischen Werken auf, unter anderem 1893 in einem Werk Oskar Panizzas und 1899 in Armand Dubarrys L’hermaphrodite. 1908 befasste sich F. L. von Neugebauer mit Barbins Leben. 1978 wurden Barbins Aufschriebe publiziert, 1980 erschien eine englische Übersetzung, die Richard McDougall vorgenommen hatte. Die Einleitung hatte Michel Foucault geschrieben, der sich mehrfach mit Barbin beschäftigt hatte. 2008 folgte eine weitere Publikation des französischen Originals. Mittlerweile wird Barbins Schicksal auch im Schulunterricht thematisiert.

Auch der Film Le Mystère Alexina von 1984 thematisiert Abel Barbins Leben.


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Quellen: